Offener Brief von Michael Diers: Die Stadt steckt in der Sackgasse

Als Privatmensch zieht Michael Diers, Geschäftsführer der städtischen Wilhelmshaven Touristik & Freizeit GmbH, in einem offenen Brief , Bilanz zur Lage der Stadt.

Wilhelmshaven – Ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten, positive Veränderungen anzuschieben und Ansprechpartner zu sein und deshalb sind mir diese Zeilen sehr, sehr wichtig: Wir haben uns in eine Sackgasse hineinmanövriert.

Der Blick in die heutige Ausgabe der „Wilhelmshavener Zeitung“ (Montag-Ausgabe d.Red.) sollte einen erschaudern lassen. Von „Problem-Stau“ ist da die Rede und eigentlich fragt man sich, wann gibt es den eigentlich nicht? Kämmerin nicht eingestellt, Südzentrale nach wie vor Bauschutthalde, politische Intrigen, Tourismuskonzept, Banter See, Südstrand Hotelbau, Schlachthofgelände, Jadebad usw. usw.

Es nimmt überhaupt kein Ende.

Es tut weh, dauernd mitanzusehen, wie die Stadt sich selber im Wege steht.

Alles wird hinterm Rücken ausgefochten, schön im Geheimen, wo keiner zuhört, oder nur die, die dann destruktiv ausströmen, und es geht in den meisten Fällen nur darum, dem einen oder anderen eins auszuwischen.

Die Stadt Wilhelmshaven steht dabei schon lange nicht mehr im Vordergrund. Persönliche Eitelkeiten, Angriffe und miese Unterstellungen sind die häufigsten Waffen, um Menschen zu diskreditieren oder den ausgemachten Feind fertig zu machen.

Nichts, in den meisten Fällen geht absolut nichts mehr voran, und die Bürgerinnen und Bürger müssen diesem niederträchtigen Schauspiel zusehen. Niemand in dieser Stadt hat das verdient. Dass ein Ruck durch die Reihen der Verantwortlichen geht, ist kaum zu erwarten. Es gibt keine Instanz in dieser Stadt mehr, der zugehört wird, die dem Einhalt gebieten kann.

Wir haben uns im Kleinklein verloren und festgebissen. Aber wir müssen das jetzt ändern, wir müssen mehr zum Gelingen beitragen, denn es gibt immer noch genügend Menschen in dieser Stadt, mit guten Ideen und viel Idealismus und denen müssen wir die Hand reichen. Und dennoch: Wir brauchen einen Ruck.

Erreicht haben wir aber bislang weitestgehend einen Stillstand, Rückschritte und einen verlorenen Glauben an positive Veränderung.

Es kann nicht sein, dass die jüngeren Wilhelmshavener dem tatenlos zuschauen (müssen) und eher wegziehen, als sich für diese Stadt zu engagieren. Wir müssen daran etwas ändern.

Die Möglichkeiten, das Potenzial dieser Stadt, werden vielleicht zu 35 bis 45 Prozent ausgeschöpft und als Stadt am Weltnaturerbe, am Wasser, mit dieser grünen Lunge, können wir mehr sein, aber wir müssen es auch wollen. Gemeinsam – und deswegen müssen die Parteien und andere Verantwortliche miteinander ein Ziel anstreben und ihre persönliche Kleinkariertheit hintenanstellen.

Es muss ein dauerhaftes Streben nach einem Plan geben, der unsere Stadt in den Mittelpunkt stellt und es immer besser, schöner und spannender ist, diese Stadt zu entdecken, hier zu leben, hier zu arbeiten, hier zu Besuch zu sein. So viele Chancen wird es nicht mehr geben, das Ruder herumzureißen, und leicht ist es ganz bestimmt auch nicht, aber es muss gemacht werden.

Viele Wilhelmshavener spüren in den letzten Jahren ein neues und durchaus positives Gefühl zu ihrer Heimatstadt und es gilt, dieses zarte Pflänzchen nicht wieder zu zerstören.

Für eine Zukunft, die Wilhelmshaven zu der Stadt macht, die allen Menschen jeden Tag ein schöneres Gefühl gibt, dass sie hier leben, arbeiten, Urlaub machen oder einfach nur zu Besuch sind.


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