Offener Brief an AfD Wähler

BTW17-Teaser

Die Direkt-Kandidatin und -Kandidaten gleich mehrerer Parteien wenden sich in einem offenen Brief an potentielle AfD Wähler.

Mit nachfolgendem ‚offenen Brief‘ wenden sich Siemtje Möller (SPD), Alexander von Fintel (Grüne), Dr. Holger Onken (LINKE), Udo Striess-Grubert (Freie Wähler) und Andreas Tönjes (Die PARTEI) an Bürgerinnen und Bürger, die am kommenden Sonntag beabsichtigen die ‚Alternative für Deutschland‘ zu wählen.

 

An alle, die überlegen, am Sonntag die AfD zu wählen
Liebe Wählerinnen und Wähler,
Sie überlegen, bei der Bundestagswahl Ihre Stimme der ‚Alternative für Deutschland‘ zu geben? Das ist in Ordnung, die Gedanken sind ja frei. Wir machen uns aber große Sorgen um die Entwicklung der AfD und möchten Sie fragen: Warum?

Weil Sie die Flüchtlingspolitik der AfD gut finden?
Was wäre anders mit der AfD? Die AfD sagt selber, dass Kriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte bleiben dürfen. Und möchte sogar ein Einwanderungsgesetz mit jährlicher Einwanderungsquote.
Anders wäre der Ton. Wir glauben nicht, dass es hilft, Ängste und Feindseligkeit gegenüber Muslime zu schüren. Das macht die Sache nur schlimmer.
Rechte Gewalttaten nahmen im Klima der Polemik von AfD, Pegida & Co. im letzten Jahr um 25% zu. Und Rechte Gewalt ist die Beste Rekrutierungshilfe für Islamisten.
Daher müssen wir gezielt gegen Gefährder vorgehen – und dort muss einiges verbessert werden –, statt alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen.

Weil Sie sich unsicher fühlen?
Gefühle sind wichtig. Fakten sind wichtiger.
Tatsächlich hat es einen leichter Anstieg bei der Gewaltkriminalität in den letzten drei Jahren gegeben. Allerdings ist die Anzahl der Gewalttaten nicht höher als vor 15 Jahren.
Sicher ist es gewöhnungsbedürftig, fremde Menschen und fremde Sprachen im Bus oder in der Innenstadt zu sehen und zu hören. Das einzige, was es aber wirklich zu fürchten gibt, ist die eigene Angst.
Trauen Sie sich. Fangen Sie ein Gespräch an. Fragen Sie die Menschen nach ihrer Geschichte. Dann werden Sie bald merken, dass Sie keine Angst mehr haben.

Weil Sie der EU nicht trauen?
Klar, in Brüssel ist nicht alles perfekt. In Berlin, Hannover und unseren Rathäusern auch nicht.
Vergessen Sie aber nicht, was die EU Positives bewirkt. Unsere strikten Regelungen für saubere Luft, unbelastete Lebensmittel und sichere Elektronikgeräte würde es ohne Europa so nicht geben. Die Roaming-Gebühren für Handys sind gerade verboten worden. Der Spanienurlaub war nie so einfach.
Die AfD möchte über Deutschlands Mitgliedschaft in der EU abstimmen lassen. Die werdende Katastrophe, die Brexit heißt, sehen wir gerade. Ein Ausstieg wäre auch für Deutschland eine Katastrophe.
Deutschland ist ein Netto-Gewinner des offenen Europas, auch wenn wir in den EU-Haushalt einiges einzahlen. Selbst aus der Griechenland-Krise haben wir bislang einen Gewinn gemacht, weil Griechenland uns rund 1 Mrd. € an Zinsen überwiesen hat.

Weil die AfD gar nicht so extrem ist?
Wenn dem nur so wäre! Mal schickt die AfD einen vorbestraften Volksverhetzer in einen Landtag – und wählt ihn auch noch zum Fraktionsvize. Mal taucht wieder ein Ex-NPD-Mitglied in leitender Funktion oder als Parteiangestellter auf.
Deswegen ist gerade ein Vorstandsmitglied der Jungen Alternative in Sachsen ausgetreten und beklagt sich über die offene Fremdenfeindlichkeit in der AfD.
In Niedersachsen ist die Partei kaum liberaler. Holocaustleugner Wilhelm von Gottberg sitzt im Landesvorstand und hat gute Aussichten, in den Bundestag gewählt zu werden. Landesvorsitzender Armin Paul Hampel scheut Kontakte zu rechtsextremen Organisationen nicht.
Und unser hiesiger Kandidat, Achim Postert, gibt sich in der Öffentlichkeit gemäßigt, postet aber Links zu Hetzartikeln auf seiner Facebookseite.

Wenn Sie unzufrieden mit unseren Parteien sind, werden wir Sie vielleicht nicht umstimmen können. Es gibt aber viele Alternativen, die ihre Politik nicht auf Angst und Hass basieren. In Niedersachsen stehen 18 Parteien auf dem Wahlzettel!

Herzliche Grüße
Siemtje Möller (SPD), Alexander von Fintel (Grüne), Dr. Holger Onken (LINKE),
Udo Striess-Grubert (Freie Wähler), Andreas Tönjes (Die PARTEI)

Schreibe einen Kommentar