„Warum wählen?“ in der Kritik

Die PARTEI übt heftige Kritik an kirchlicher Veranstaltungsreihe „Warum wählen?“

Andreas Tönjes
Ratsherr und Bundestagskandidat Andreas Tönjes (Die PARTEI)

In einer Presseerklärung wirft Ratsherr und Bundestagskandidat Andreas Tönjes (Die PARTEI) der Kirche Parteilichkeit und „liebäugeln mit dem rechten Rand“ vor.

Was war passiert? Seit ca zwei Wochen veranstaltet die ‚Kirche am Meer‘ eine Interviewreihe mit den regionalen Bundestagskandidatinnen und Kandidaten. Dazu wurden die Kandidatinnen und Kandidaten von fünf Parteien eingeladen, unter anderem auch der Bewerber der AfD. Die Parteien ‚Die Linke‘, ‚Freie Wähler‘ und ‚Die Partei‘ fanden sich nicht in der Veranstaltungsreihe wieder. Dies veranlasste Andreas Tönjes nun seinem Ärger darüber in einer Presseerklärung Luft zu machen.

Die Tatsache, daß unter den eingeladenen Kandidaten auch der Vertreter einer rechtspopulistischen Partei ist und dazu im Gegensatz drei Kandidaten anderer Parteien nicht eingeladen wurden, muß vielleicht als Hinweis darauf gewertet werden, daß es durchaus erzkonservative Bestrebungen in dieser Kirche gibt, die eher mit dem rechten Rand liebäugeln, als sich an die gebotene Überparteilichkeit zu halten„, schreibt Tönjes in seiner Presseerklärung. „„Die Kirche sollte in einem Staat, der die Trennung von Kirche und Staat zu seinen Grundfesten zählt, nicht in einer derartigen Weise versuchen, die gläubigen Wähler zu manipulieren“, heißt es dort weiter.

Die Redaktion hat sich mit dem Veranstalter in Verbindung gesetzt und um eine Stellungnahme gebeten. Initiator der Veranstaltungsreihe Miguel Pascal Schaar erklärte, daß die Veranstaltungsreihe bereits im Februar geplant wurde, und die Parteien angeschrieben worden seien. Eingeladen wurden dann die im März rückgemeldeten Kandidatinnen und Kandidaten. Miguel Pascal Schaar hatte dieses Format bereits erfolgreich in Berlin durchgeführt und zeigte sich ein wenig überrascht, dass einige Parteien ihre Kandidaten vergleichsweise spät benannt haben. Auf die Beschwerde der bisher nicht berücksichtigten Parteien hat man nun schnell reagiert und die Veranstaltungsreihe verlängert.

Den Vorwurf Kirche dürfe sich nicht in Politik einmischen, weist Schaar entschieden zurück. Seinen Grund für gesellschaftspolitische Einmischung von Kirche sieht er am besten in dem berühmten Niemöller-Zitat erklärt.

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
(Martin Niemöller, Theologe, 1892-1984)

 

Auch gehe es nicht um Parteipolitik in dieser Veranstaltungsreihe, sondern darum, die Menschen kennen zu lernen, die sich um so ein wichtiges politisches Amt bewerben.“Es geht nicht um Parteiprogramme, sondern um den Respekt vor Menschen, die sich politisch engagieren“ sagt Schaar gegenüber Schlicktown-Magazin. „Es passt gut ins Profil unserer Citykirche, dass wir auf jeweilige Strömungen schnell und direkt reagieren. Jenseits aller Wahlkampfansagen soll das Format weiterhin den Menschen hinter den Parteien und Programmen vorstellen“, ergänzt Mit-Veranstalter Pastor Frank Morgenstern von der Christus- und Garnisonkirche.

In einer nachgeschobenen Ergänzung zur Pressemitteilung auf Facebook, stellte Andreas Tönjes dann klar, dass er nun in die Veranstaltungsreihe aufgenommen worden sei. „Unser Einsatz hat sich gelohnt und ich bin fair, denn die Vertreter der Kirche bzw. der Veranstalter haben nun Kontakt mit mir aufgenommen und ich habe eine mündliche Einladung, schriftlich wird folgen, erhalten. Deshalb werde ich am 14.08.2017 auch an dieser Veranstaltungsreihe teilnehmen. Wir können unseren Protest beenden.“

Interessant, dass Tönjes offensichtlich eine persönliche Einladung reichte, um die in seiner Presseerklärung gemachten Vorwürfe der politischen Einmischung und des „liebäugelns mit dem rechten Rand“ gleich mit von dem Tisch zu fegen.

Für Miguel Pascal Schaar, jedenfalls hat die Teilnahme des AfD Kandidaten überhaupt nichts mit einer Affinität zu rechtem Gedankengut zu tun. „Es geht nicht darum bestimmte politische Strömungen zu fördern, sondern verstehen zu lernen, wie diese zustande kommen.“

Darüber, wie gut dies die Veranstaltungsreihe „Warum wählen?“ schafft, kann sich jeder selber an den verbleibenden Terminen machen.

Montag, 10. Juli, im Gespräch mit Hendrik Theemann, FDP
Montag, 17. Juli, im Gespräch mit Achim Postert, AfD
Montag, 24. Juli, im Gespräch mit Alexander von Fintel, Bündnis 90/Die Grünen
Montag, 31. Juli, im Gespräch mit Dr. Holger Onken, Die Linken
Montag, 7. August, angefragt ist der Wahlkreiskandidat der Freien Wähler
Montag, 14. August, im Gespräch mit Andreas Tönjes, Die Partei

Die Interviews beginnen um 19 Uhr in der Christus- und Garnisonkirche mit einer Andacht für Stadt und Land. Dann geht es mit dem moderierten Gespräch im Gemeindehaus weiter.

Schreibe einen Kommentar