Kein Geld für die „Seko“

SEKO vor dem Aus

Sind die Selbsthilfegruppen die ersten großen Verlierer der neuen Sparauflagen?

Die Selbsthilfekontaktstelle bangt um ihre Existenz, weil die Stadt einen Zuschuss von 5.000 € verweigert.

SEKO 2015
Die Führung der Selbsthilfekontaktstellen Wittmund-Wilhelmshaven auf der Selbsthilfekontaktbörse am 04.11.2015

Anke Wellnitz, Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle Wittmund-Wilhelmshaven, schlägt Alarm. Für ihre Arbeit, die Betreuung von über 100 Selbsthilfegruppen, benötigt die Kontaktstelle einen Jahreszuschuss von 10.000 €. Die hälfte davon will der Kreis Wittmund tragen, wenn die anderen 5.000 € von der Stadt Wilhelmshaven gegeben werden.

Den Antrag der Seko vom Dezember 2015 lehnte der Rat nun mit Hinweis auf die Haushaltslage ab. Die angespannte finanzielle Situation der Stadt ließen solche „Freiwilligen Leistungen“ nicht zu.

Anke Wellnitz ist empört:“Wilhelmshaven ist nicht nur jung und gesund – da hilft auch kein gesund beten. Und für Alte und Kranke hat die Stadt zu sorgen, entsprechende Strukturen sind vorzuhalten. Auch wenn es bedeutet, soziale Einrichtungen zu unterstützen.

Während die Stadt im Dezember 2015 aus dem Topf der „Freiwilligen Leistungen“ noch eine LED-Bandenwerbung in der Nordfrost Arena mit 100.000 € bezuschusste (WZ am 17.12.2015), scheinen kleine Summen für wichtige soziale Projekte nicht zur Verfügung zu stehen. So lehnte der Rat bereits im September 2015 ab, der Wilhelmshavener Tafel die Müllgebühren in Höhe von jährlich 387,20 € zu erlassen. Auch ein Antrag der Arbeitsloseninitiative (ALI) auf Zuschuss in Höhe von ebenfalls 5.000€ / Jahr wurde mit Hinweis auf die Haushaltslage abgelehnt.

Jetzt schaltet sich auch die Ratsgruppe Unabhängige Wählergemeinschaft Wilhelmshaven (UWG) / BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ein und stellt im Rat den Antrag auf Bezuschussung der Seko.

In einer Pressemitteilung bezeichnen die Fraktionsvorsitzenden Frank Uwe Walpurgis (UWG) und Michael von den Berg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) die Vorgänge als „beschämend und absolut nicht nachvollziehbar“.

Frank Uwe Walpurgis, der auch Vorsitzender des Sozialausschusses im Rat ist, zeigt sich verärgert über die Vorgehensweise.„Zumindest eine Information darüber hätte es geben müssen, aber vielleicht  wussten das ja bereits einige Personen von der Ratsmehrheit, die in der Vergangenheit auch derartige Anträge ablehnten. Das ist weder christlich noch sozial“. Walpurgis will das Thema nun auf die Tagesordnung des nächsten Sozialausschusses am 25.02.2016 setzen.

Diese Sitzung ist übrigens öffentlich und findet ab 14:00 Uhr im Ratssaal statt.

Am 16. März wird dann wohl der Rat der Stadt in der öffentlichen Ratssitzung über den Antrag der UWG / BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN entscheiden müssen.

Bereits jetzt kündigt die erste soziale Organisation Aktionen zur Unterstützung der ALI und der Seko an.

Ein Gedanke zu „Kein Geld für die „Seko“

  1. Ich bin entsetzt über die Gleichgültigkeit der Damen und Herren, die von Uns durch Wahlen beauftragt wurden, die Geschicke unserer Stadt leiten und verwalten. Kein Wunder, dass Wilhelmshaven (einst einmal Großstadt!) förmlich ausblutet. Keine Arbeitsplätze, keinerlei Unterstützungen im sozialem Umfeld, Mißplanungen gehen auf das Konto derer, die die Stadt verwalten.
    Anstatt die Selbsthilfegruppen mit einem moderatem Zuschuß von 5.000Euro den aus Wittmund in Aussicht gestelltem Anteil (ebenfalls 5.000Euro) zu sichern, läßt man die Seko über die berühmte „Klinge“ springen und nimmt somit eiskalt in Kauf, das die Seko komplett leer ausgeht! Wittmund (knapp 22.000 Einwohner) stellt 5000Euro in Aussicht und Wilhelmshaven (81400 Einwohner) winkt ab. Was für ein peinliches Armutszeugnis, welches sich unsere Verantwortlichen da ausstellen! Dabei müßte man hier lediglich um eine (!) solarbetriebene Parkuhr verzichten. Aber das hätte ja zur Folge, dass man auf Einnahmen verzichtet und Geld brauchen wir um die zu finanzieren, die die Geschicke dieser Stadt leiten.
    Ich wünsche Niemandem etwas Schlechtes! Aber wer bereits (wie ich mit 54 Jahren) einen Hinterwandinfarkt er-und überlebt hat weiß, wie es Ihm anschließend mental geht. Da ist es enorm wichtig, wenn man sich mit „Gleichgesinnten“ in Selbsthilfe-Gruppen trifft und austauschen kann.
    „Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir Gott“! Das sagt schon alles und bekommt nun mit der Infragestellung der Subvention durch die Stadt Wilhelmshaven eine ganz neue (traurige) Bedeutung!
    Die Arbeitslosen Initiative Wilhelmshaven (die gute, solide und erfolgreiche Hilfe leistet!), die dem arbeitslosen Wilhelmshavener in sozialen Frage zur Seite steht, läßt man finanziell austrocknen, weil diese der Stadt ein Dorn im Auge ist.
    Die Selbsthilfegruppen, das sind verdiente Bürger dieser Stadt Wilhelmshaven. Menschen die stets pünktlich ihre Abgaben, ihr „Knöllchen“, Hundesteuer etc. an die Stadt gezahlt haben und auch noch zahlen, die werden jetzt fallen gelassen. Im Rathaus ist wie bei den Versicherungen. So lange Du zahlst ist alles in Ordnung. Aber wehe, Du möchtest, dass diese in Leistung gehen!
    Ich erinnere mich noch an ein Werbeslogan der Stadt Wilhelmshaven: “ Wilhelmshaven hat das Meer ins Herz geschlossen!“ Das mag sein. Aber was ist mit seinem Bürger?

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