SPD – Zukunftswerkstatt 2030

Es war kein Step Plus 2.0 – SPD fragt Bürgerinnen und Bürger nach ihren Vorschlägen zur Stadtentwicklung.

SPD-Zukunftswerkstatt 2030
SPD-Zukunftswerkstatt 2030

Sicher hätte man sich mehr Intressierte wünschen können, für die Zukunftswerkstatt 2030, die am 10. November im Pumpwerk statt fand. Doch immerhin waren es 52 Besucher, die der Einladung der SPD folgten, um gemeinsam über Utopien aber vor allem über konkrete Entwicklungsmaßnahmen für die Stadt zu diskutieren. 

Auf Grund einer vorangegangenen Intervention des Oberbürgermeisters Andreas Wagner(Schlicktown berichtete), konnten leider nicht alle Themenbereiche, die zu einer Stadtentwicklung gehören erarbeitet werden. Hartmut Tammen-Henke (SPD Kreisvorstand) sagte dazu: „Leider … sind wir heute Abend nur in der Lage zu drei Themenbereichen Angebote und inhaltliche Diskussion anzubieten und zwar deshalb, weil drei städtischen Mitarbeitern die Teilnahme an der Veranstaltung verboten wurde vom Oberbürgermeister.

Tammen-Henke sagte weiter, dass er nicht verleugnen wolle, dass diese Veranstaltung etwas mit der Kommunalwahl 2016 zu tun habe. Die SPD wolle aber vor der Erstellung eines Wahlprogrammes, die Meinung der Bürgerinnen und Bürger zu wichtigen Themen abfragen.

Und es war im Ende auch keine reine SPD Veranstaltung. Unter den Teilnehmern waren neben Bürgerinnen und Bürgern sowohl Vertreter von Bündnis 90/ Die Grünen, als auch Soziokulturelle Organisationen , wie die Wilhelmshavener AIDS-Hilfe und der QUEERströmung e.V..

Schließlich konnten drei wichtige Themenbereiche unter fachkundiger Moderation in wechselnden Arbeitsgruppen diskutiert werden.

Dr. Jens Graul
Dr. Jens Graul

Das Thema „Kultur für alle“ unter der Leitung von Dr. Jens Graul (Kultur beauftragter der Stadt Wilhelmshaven befasste sich mit der Entwicklung öffentlicher und privatwirtschaftlicher Kultureinrichtungen. In seinem Eingangsreferat fragte Graul gleich kritisch „Bedeutet Kultur in der Stadt immer automatisch Kultur von der Stadt?… Manchmal haben wir das Gefühl, das die Stadt dann auch so ein bisschen als Alleinunterhalter, nach dem Motto ‚Macht mal‘ angesehen wird oder eben wie in anderen Fällen als Zahlmeister, der gefälligst zu zahlen, aber sich nicht in das einzumischen hat, was dort kulturell angeboten wird.“ In den anschließenden Diskussionsrunden ging es im Ergebnis viel um bezahlbare Kultur für alle, Kulturangebote für die Jugend aber auch die Schaffung von Räumen, in denen vielfältige unabhängige Kultur statt finden kann. Als Beispiel für so einen Kulturraum wurde der alte Schlachthof oder auch eine feste offene Bühne am Südstrand vorgeschlagen.

Für den Themenbereich „Tourismus – touristische Entwicklung“ konnten die Veranstalter Prof.Dr. Uwe Weithöner von der Jade Hochschule gewinnen. Weithöner stellte in seinem Initialvortrag die enge Verknüpfung von touristischen und wirtschaftlichen Aspekten fest. „Der Gast , der hier her kommt, nimmt die Region ganzheitlich wahr, das heißt wir brauchen gemeinsame Marktauftritte mit den regionalen Nachbarn.“ Dem oft negativ wahrgenommenen hohen Anteil älterer Menschen in dieser Stadt konnte Weithöner durchaus etwas positives abgewinnen. „Wo ältere Geld ausgeben, finden jüngere dann ihre Arbeit und ihre Jobs„. In den Arbeitsgruppen zu diesem Themenbereich wurden vielfältige Vorschläge gemacht, die den Tourismus fördern könnten. Häufig wurde eine deutliche Verbesserung des Radwegnetzes und ein Radwegeplan vorgeschlagen.  Eine deutlich verbesserte Information der Gäste über die Sehenswürdigkeiten und kulturellen Einrichtungen wurde ebenso gefordert, wie der Ausbau der maritimen Infrastruktur und der Gründung einer „Tourismusregion südwestlicher Jadebusen“.

Arbeitsergebnisse zum Thema "Wirtschaft"
Arbeitsergebnisse zum Thema „Wirtschaft“

Der dritte Themenblock des Abends befasste sich mit dem Thema Wirtschaft und wurde von Dr. Jürgen Petzold (Jade Hochschule) betreut, der schon in das „Step Plus Programm“ der Stadt eingebunden war. Sein Mißfallen über die (Nicht)Umsetzung dieses Programmes konnte und wollte Petzold nicht verbergen „Wir wollen kein zusätzliches Konzept zu ‚Step Plus‘ schreiben, weil die 300 Seiten liegen vor, mehr oder weniger unbenutzt, bisher.„. Vielmehr ging es ihm um konkrete, gerne auch kleine Maßnahmen, die die Wirtschaft der Stadt beleben und fördern können. Hier waren die Bürger sehr kreativ und stellten sich zur Belebung der Marktstraße sogar eine „Leerstandssteuer“ vor , die Vermieter von Geschäftsflächen abführen sollen, wenn sie über ein Jahr Leerstand haben. Aber auch der Ausbau der Infrastruktur , wie ein Ausbau des Schienennetzes, Schaffung einer Logistikzone und Ausbau bezahlbaren, barrierefreien Wohnraumes wurde gewünscht. Ein Vorschlag, der großen Anklang fand, war die Entwicklung einer lokalen Vertriebsmarke unter der lokale Produzenten, Handwerksbetriebe und Einzelhändler ihre Angebote vermarkten sollten. So könnte man die regionale Wirtschaft fördern.

Einen Vorschlag für ein vernetztes Wilhelmshaven 2030 machte im Eingangsbereich des Pumpwerks das Team von Freifunk Nordwest, das über sein Projekt informierte . Freifunk ist ein Projekt, dass kostenloses W-LAN für alle Bürger schaffen möchte.

Teilnehmer der Zukunftswerkstatt 2030
Teilnehmer der Zukunftswerkstatt 2030

Insgesamt waren die Teilnehmer mit der Veranstaltung zufrieden. Antje Kloster, Kreisvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen meinte im Anschluss: „Konstruktiv erarbeiteten interessierte Bürger_innen neben Politiker_innen Ideen und Konzepte. Deutlich wurde, dass ein weiteres Vorankommen der Stadt nur in Kombination mit der regionalen Wirtschaft, der Politik und vor allem durch engagierte Mitbürger_innen möglich ist.„. Nicht zu verhehlen war neben einer positiven Beurteilung des Abends bei einigen Teilnehmern jedoch das Fehlen der Referenten für die Themen „Bildung“ und „Wohnen“. Georg Berner-Waindok vom QUEERströmung e.V. meinte dazu:“Ich hätte gerne über generationsübergreifende Wohnprojekte gesprochen, aber der Vertreter hatte ja leider keine Erlaubnis an der Veranstaltung teil zu nehmen.

Auch Jan Meggers, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Wilhelmshavener AIDS-Hilfe bedauerte, dass Das Thema Bildung nicht bearbeitet werden konnte: „Wichtig für die Zukunft Wilhelmshavens ist es, neben den heute angesprochenen Themen das Thema Bildung  in den Focus zu rücken. Denn gute Bildung sichert Zukunftsfähigkeit und hilf nicht zuletzt auch,  Diskriminierungen vorzubeugen. Und bezogen auf auf unsere Arbeit im Verein sehe ich einen Zusammenhang zwischen guter Bildung und HIV-Prävention.“

Hartmut Tammen-Henke sicherte den Teilnehmern aber zu, dass in sogenannten „Stadtgesprächen“ auch diese Themen in naher Zukunft noch behandelt werden sollten.

Zu wünschen bleibt, dass diese Art von Bürgerdialog nicht allein von einer politischen Partei allein initiiert und durchgeführt wird, sondern unabhängig von einem anstehenden Kommunalwahlkampf,sich ein aktives Bündnis von Bürgern der Stadt findet, welches Vorschläge erarbeitet, die dann aber auch den Weg in den Rat finden. Vor allem sollten konsenzfähige Vorschläge im Gegensatz zum StepPlus Programm auch , wenn Umsetzbar, auf den Weg gebracht werden. Die SPD ist mit ihrer Zukunftswerkstatt eine hohe Verantwortung eingegangen. Wenn auch die jetzt erzielten Ergebnisse wieder unbearbeitet im Sand verlaufen, wird es wohl zukünftig kaum noch möglich sein, Bürgerinnen und Bürger für die Beteiligung an der Stadtentwicklung zu begeistern.

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