Gedenkfeier zur “Reichsprogromnacht”

“Es gibt viel zu verlieren – Demokratie braucht Ihre Bürger, die für sie einstehen.”

Pfarrer Frank Moritz
Pfarrer Frank Moritz

Mit diesen Worten seiner Eingangsrede spannte Pfarrer Frank Moritz beim “Ökumenischen Abendgebet” in der Banter Kirche einen Bogen von der NS-Zeit zu den jüngsten fremdenfeindlichen und rassistischen Vorgängen in unserem Land, ohne sie auf eine Stufe zu stellen.

Etwa 100 Menschen waren zu dem Gottesdienst erschienen, der einen würdigen Auftakt zu einem abscheulichen Jubiläum bildete. 2015,das ist das Jahr 80 nach in Kraft treten der Nürnberger Rassengesetze. Dieses Ereignis brachte Ursula Aljets den Besuchern und Gemeindemitgliedern noch einmal in Erinnerung.

Engeline Lemke
Zeitzeugin: Engeline Lemke

Der Geschichte ein Gesicht gab Engeline Lemke, die ihre Kindheit in Emden verbrachte und sich an die Reichsprogromnacht und das Verschwinden der jüdischen Mitbürger erinnerte.  “Meine Mutter fragte flüsternd, wo denn die Menschen alle geblieben seien? Darauf nannte meine Tante eine Schule, aber am Morgen sei niemand mehr da gewesen.”. Engeline Lemke schaffte es in den kurzen Beschreibungen das ganze beklemmende Bild der Zeit in den Raum zu malen. In den Fürbitten wurde dann wieder der Bogen zur aktuellen Situation gespannt. Auch wenn es wirklich nicht vergleichbar ist, so kommt den Besucher immer wieder der Satz “Wehret den Anfängen!” in den Sinn.

Den musikalischen Rahmen bildete neben Markus Nitt an der Orgel, der Klarinettist Martin Strizel.

Nach dem Gottesdienst ging es in einem Schweigemarsch über die Börsenstraße hin zum Synagogenplatz.

Dort warteten bereits viele Menschen um dem zweiten Teil der Gedenkfeier beizuwohnen.

OB Andreas Wagner auf dem synagogenplatz
OB Andreas Wagner auf dem Synagogenplatz

In einer eindringlichen Rede mahnte Oberbürgermeister Andreas Wagner vor 200 Besuchern demokratische und menschliche Lösung der aktuell anstehenden Flüchtlingsproblematik an. Flüchtlingsströme und Völkerwanderungen sieht Wagner auch in Zukunft in Wellen auf uns zu kommen. Abhilfe könne hier ein neues Weltbild schaffen “..in dem wir nicht national denken, sondern global. Konkret bedeutet das Normen Gesetze und Institutionen zu entwickeln, die über die Vereinigten Staaten von Europa hinaus gehen”, sagte Wagner in seiner Rede. “Unsere Fürsorge darf nicht alleine das nationale ‘Ich’, mit kulturellen und religiösen Traditionen im Blick haben, sondern diesen Wert müssen wir ausdehnen auf die Welt als ganzes, auf alle Menschen”. Das dies keine leichte Aufgabe sein wird stellte der Oberbürgermeister aber auch gleich klar.  Im Anschluss an die Rede und das gemeinsame Gebet “El male rachamim” (Gott voller Erbarmen). legten die Teilnehmer der Veranstaltung in jüdischer Tradition einen Stein zu Fuß der von Dr. Hartmut Wiesner gestalteten Gedenkstehlen für die 120 jüdischen Opfer des Holocaust in Wilhelmshaven nieder.

Der 09. November ist der Gedenktag an die Reichsprogromnacht und damit an die Millionen jüdischer Opfer des NS-Regiemes. Vergessen sollte man aber dabei nicht, wie viele Homosexuelle, Sinti & Roma, Behinderte, Regimegegner und andere dem System unliebsame Menschen dem Naziterror zum Opfer gefallen sind.

 

Impressionen der Gedenkveranstaltung zur Reichsprogromnacht


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